Interview mit Buchautor Jens Petersen

© 2010 Jutta Schütz

 

Jens Petersen, Jahrgang 1959, ist gebürtiger Schleswiger und ein glühender Verfechter einer „einigermaßen fehlerfreien Schreibe“, wie er bekennt. Nach dem Abitur an der Staatl. Domschule in Schleswig 1978 führte ihn sein Studium nach Kiel, Manchester und Flensburg. Er schlug sich jahrelang überwiegend als Journalist durchs Leben, arbeitete für Tageszeitungen, Wochenblätter, Illustrierte, Sportzeitschriften, Computerfachblätter und Radio Schleswig-Holstein (R.SH).

 

 

 

Mir gegenüber sitzt ein hochgewachsener, blonder Mann mit hoher Stirn, der eine beeindruckende Ruhe auf seine Besucherin ausstrahlt.

 

 

 

Jutta Schütz (JS): „Jens, um im Bild zu bleiben: Was war für dich das Sprungbrett zur Schreiberei? Wie wird man, besser: Wie wurdest du Schriftsteller?“

 

Jens Petersen (JP): „Das begann eigentlich schon als Kind. Ich kann mich erinnern, dass ich schon mit zehn Jahren seitenlange Gedichte verfasst habe. Das Formulieren, das Schreiben scheint mir irgendwie in die Wiege gelegt worden zu sein.“

 

JS: „Aber wirklich veröffentlich hast du damals noch nicht?“

 

JP (lachend): „Nein, natürlich nicht.“ Das war so um 1970 herum. Damals gab es noch richtige Schreibmaschinen. Das war für mich schon ein Erlebnis, so ein Ungetüm zu bedienen. Ich kann mich erinnern, damals schon eine ‚richtige‘ Zeitung geschrieben zu haben – auf einem Kindergeburtstag!“

 

JS: „Wann wurde es denn wirklich ‚ernsthaft‘ mit der Schreiberei?“

 

JP: „Erst einmal kam noch das Studium (auf Lehramt, Anm. d. Verf.). Da erlebte ich dann die Umstellung auf den Computer, was das Schreiben ja enorm erleichterte. Gestartet bin ich Mitte der 1980er mit einem C 64, später einem Amiga, und dann erst mit dem PC. Ein erster Schritt hin zu meinen späteren Büchern war dann ein stümperhafter Fehler auf einem Schriftstück, der zu Recht den Spott meines damaligen Schulleiters provozierte. Seitdem achte ich sehr auf fehlerfreies Arbeiten.“

 

JS: „Wie ging es weiter?“

 

JP: „Wie bei vielen meiner Kollegen: Ich wurde arbeitslos. Über Wasser gehalten habe ich mich rund zehn Jahre lang als Journalist. Hier kam der zweite Anstoß. Bei einem Wochenblatt angestellt, erhielt ich von meinem Chef regelmäßig Rückmeldung über Gutes wie Schlechtes im Blatt. Da lernt man schnell, dass professionelles Schreiben ein hohes Maß an Konzentration, Selbstkritik und -kontrolle verlangt, Eigenschaften, die ich in der heutigen Medienlandschaft vielerorts vermisse.“

 

JS: „Was jetzt elegant den Bogen zu deinen Büchern schlägt. Worum geht’s da genau?“

 

JP (schmunzelt wieder): „Meine ersten drei Bücher – die Sprachpanscher-Trilogie - beschäftigen sich mit dem allgegenwärtigen Sprachpfusch in den Medien. Ich meine jetzt nicht den ‚kleinen‘ Flüchtigkeitsfehler, den vergessenen Buchstaben. Ich spreche von schlimmen, weil sinnentstellenden oder sogar komplett sinnlosen Textpassagen. Das sind immer Menschen, die dafür bezahlt werden, dass sie schreiben. Wenn ein Handwerker solchen Murks verzapft, passiert es nicht selten, dass er vor Gericht zitiert wird. Schreiben ‚darf‘ anscheinend jeder. Und sei es auch noch so schlecht. Damit kann ich nicht leben, das ärgert mich – seit Jahren schon!“

 

JS: „Jetzt kennen wir deine Motivation zu schreiben. Aber das ‚Wie‘ ist noch nicht geklärt…“

 

JP: „Das ist ganz unterschiedlich. Für die ‚Sprachpanscher‘-Bücher sammle ich über Monate besonders misslungene Bilder oder Textpassagen aus dem Internet und aus allen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern, die mir unter die Finger kommen. Die werden dann entweder thematisch oder chronologisch sortiert und mit süffisanten, manchmal auch sarkastischen Kommentaren versehen. Wenn ich das Gefühl habe, genug gesammelt zu haben, mache ich ein Buch draus.

 

Bei den belletristischen Werken ist das anders. Mein bald erscheinender Roman mit dem Arbeitstitel ‚Julias Fluch – Jan lebt Anna“ ist das Ergebnis einer schlaflosen Nacht. Den habe ich über einige Jahre nach und nach weiterentwickelt und in der letzten Phase mit einem befreundeten Schriftsteller intensiv überarbeitet. Im Übrigen arbeite ich mit diesem Kollegen gerade an einem Satirebuch, das wir peu à peu aus Kurztexten zusammenfügen.“

 

JS: „Und dann muss sich ja auch noch ein Verlag finden…“

 

JP: „Hier kommt nun tredition ins Spiel. Ich will nicht behaupten, dass die ‚großen‘ Publikumsverlage überflüssig sind. Sie sind aber für unbekannte Autoren eher ein Hindernis auf dem Weg zum Publikum. Man kann von Glück reden, wenn man von dort nach Monaten eine Rückmeldung bekommt. Ich behaupte mal, dass ein Buch, das irgendjemand geschrieben hat, in aller Regel eine Leistung darstellt, die man öffentlich machen sollte. Natürlich kann man aber nicht erwarten, dass ein Verlag auf gut Glück Bücher veröffentlicht, um so quasi den Autoren zu ‚sponsern‘. Daher hat Print on demand (POD) sozusagen eine Lücke gefüllt. Das ist ja fast ein anarchisches Element, denn hier darf jede/r veröffentlichen, und das ist gut so. Mit etwas Glück – und Werbefleiß - verkauft sich das Buch dann gut. Wenn es dann wirklich schlecht ist, verkauft es sich eben nicht. Auch das kommt vor, sehr häufig sogar, kostet dann aber weder Verlag noch Autor viel Geld.“

 

JS: „…womit wir dann auch schon bei deinem Erfolg sind. Bist du jetzt Profi?“

 

JP (lachend): „Nein, davon bin ich weit entfernt. Ich bin zufrieden mit meinen Verkäufen. Ich muss nichts zusetzen, kann meinem Hobby frönen und bekomme gelegentlich positive Rückmeldungen von Lesern. Das motiviert mich weiterzumachen.“

 

JS: „Das wäre dann meine nächste Frage gewesen. Wie geht es denn weiter?“

 

JP: „Ich hab’s ja schon angedeutet: ‚Julias Fluch‘ möchte ich gerne bei einem Publikumsverlag unterbringen. Ebenso das Satirebuch. Außerdem habe ich noch ein weiteres ‚Sprachpanscher‘-Buch in der Warteschleife, sozusagen das vierte Buch zur Trilogie…“

 

JS: „Das heißt also, mit POD bist du noch nicht durch?“

 

JP: „Nein, natürlich nicht. Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht, besonders, was die Vernetzung verschiedener Tätigkeiten bei tredition angeht. Ich habe dort mit sehr angenehmen Menschen zu tun, die mich stets herzlich, aber auch kritisch und professionell begleitet haben. Das möchte ich nicht mehr missen.“

 

JS: „Jens, ich bedanke mich und wünsche dir für die Zukunft viel Erfolg.“